Wirtschaftlich & sicher – Routenzüge

Planbarer, standardisierter Materialtransport ist das A und O einer effizienten Intralogistik. Doch was passiert, wenn der Gabelstapler nicht mehr ausreicht? Routenzüge können die Lösung dieses Problems sein, da sie eine höhere Produktivität erreichen. Erfahren Sie in diesem Blogbeitrag was Routenzüge sind, wann sie effizient arbeiten und wie sie implementiert werden können!

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„Planbarer, standardisierter Materialtransport ist das A und O einer effizienten Intralogistik. Doch was passiert, wenn der Gabelstapler nicht mehr ausreicht?”

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Ein Routenzug (RZ) ist ein Flurförderzeug (FFZ), das aus einer Zugmaschine und mindestens einem Anhänger besteht. Auf einem RZ werde Materialien in die Produktion, bspw. die Montagelinie im Automobilbau, transportiert. Routenzüge können Kleinladungsträger (KLT), Großladungsträger (GLT) oder sonstige Gebinde einfach transportieren.

Wie dem Namen bereits zu entnehmen, fahren Routenzüge stets fixe Routen ab, auf der die Ladung an unterschiedliche Verbrauchstorte geliefert wird. Gleichzeitig wird über Routenzüge aber auch die Leergutentsorgung realisiert. In der Regel findet ein 1:1 Tausch (Vollgut gegen Leergut) statt. In der Praxis nehmen die Fahrer der KLT-RZ aber meistens alles Leergut mit, was auf dieser Route liegt.

Routenzug vs. Gabelstapler

Was macht einen Routenzug so interessant für Unternehmen? Reicht nicht der bewährte Gabelstapler?

Durch die erhöhte Transportkapazität, die den offensichtlichsten Vorteil von Routenzügen darstellt, verringert sich im Vergleich zu einem Gabelstapler die Anzahl der Einzelfahrten enorm. Die Bereitstellung der Produkte wird optimiert und Verschleiß reduziert. Aber auch die Sicherheit in der Produktion/der Montage erhöht sich durch den verringerten Verkehr in den Gebäuden. Zudem werden für gleiche Transporte deutlich weniger Mitarbeiter benötigt, der Mitarbeiterbedarf für reine Transporttätigkeiten wird also ebenfalls deutlich reduziert und kann wertschöpfend in anderen Bereichen eingesetzt werden. Auch die Menge des benötigten Routenzug-Equipments ist im Vergleich zum Gabelstapler geringer.

Allerdings lässt sich die Umsetzung von Transporten mittels Routenzügen nur dann gut umsetzen, wenn sinnvolle Routen durch die Produktion/Montage erarbeitet werden können. Ist dies nicht der Fall, wird es durch die Fahrtenreduzierung durch einen Routenzug nicht zu einer Leistungssteigerung kommen. Dies stellt die entscheidende Aufgabe in einer Routenzugplanung dar!

Routenbildung

Schauen wir uns doch mal eine Routenbildung an! Was muss berücksichtig werden?

  1. Verbrauchsorte (VO)

Verbrauchsorte entsprechen den Lagerplätzen an der Montagelinie. Ein Lagerplatz ist die kleinste Einheit, auf die etwas verweisen kann.

  • Ein Lagerplatz kann einem Regal zugeordnet werden.
  • Ein Regal kann einer Haltestelle zugeordnet werden.
  • Eine Haltestelle kann einem Bandabschnitt zugeordnet werden.
  • Ein Bandabschnitt kann einem Montageband zugeordnet werden.

Das Montageband stellt also in unserem Fall die größte Aggregationsstufe dar.

An den Lagerplätzen (bspw. ein Kanal in einem Durchlaufregel (DLR)) werden die Ladungsträger gelagert. Es werden je Lagerplatz der maximale sowie minimale Lagerbestand (Meldebestand) definiert. Damit die Produktion nicht aufgrund fehlender Teile pausieren muss, sollte der definierte minimale Bestand nicht unterschritten werden. Der Abruf der Nachbestellung muss entsprechend rechtzeitig ausgeführt werden. Hierfür kann über die Reichweite eines Ladungsträgers und der Wiederbeschaffungszeit der Meldebestand ermittelt werden.

     2. Routen 

Bei den Routen muss insbesondere auf die Platzverhältnisse an der Montagelinie geachtet werden. Die Planung möglicher Routen hängt dabei von einigen Fragen ab, die beantwortet werden müssen. Typische Fragestellungen sind dabei:

  • Welche (Montage-)Bereiche können sinnvoll zusammengefasst werden?
  • Sind die Ladungsträger konform?
    • Werden in einem Abschnitt beispielsweise lediglich GLT benötigt, muss im Einzelfall geschaut werden, ob dieser Bereich mit einem weiteren Bereich kombiniert wird, bei dem zum Beispiel nur KLT benötigt werden.
  • Können sich Fahrzeuge begegnen oder nicht?
    • Muss eventuell eine Einbahnstraße eingerichtet werden?
  • Welche Seite (rechts oder links) ist für die Entladung notwendig?

Werden die unterschiedlichen Routen berechnet, sind u.a. die Auslastungen, die Umlaufzeit und die Wiederbeschaffungszeiten auf den Routen zu beachten. Diese sollten möglichst zusammenpassen, um die Effizienz zu steigern. Im schlechtesten Fall müssen mehrere Touren starten (schlecht ausgelastet, weil keine Abrufe vorhanden sind), nur um einige kritische, minimalen Bestände nicht zu unterschreiten.

Was muss hier ebenfalls beachtet werden?

Weiterhin muss bei der Berechnung auf die Behältergrößen der KLT geachtet werden, da diese einen signifikanten Einfluss auf die Kapazität des RZ haben. Große Behälter benötigen mehr Platz als kleine. Auf einer Route mit primär großen Behältern sinkt daher die Kapazität des Routenzuges – im Zweifelsfall muss diese Route daher öfter gefahren werden, als eine Route auf der sich nur kleine Behälter befinden. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die im Einzelfall betrachtet werden müssen – es bietet sich daher an, die Verteilung einer jeden Route zu kennen und Routen-individuelle Kapazitäten zu berücksichtigen.

Wichtig bei der Auslastung ist außerdem, dass diese nicht zu hoch ist, um eine Rest-Kapazität zu erhalten. Dadurch können Schwankungen, Fehler, Ausfälle etc. ausgeglichen werden.

© BMW Group: Routenzug für die Montageversorgung

     3. IT-Systeme

Bei der Planung eines neuen RZ darf das einzusetzende IT-System nicht außer Acht gelassen werden. Je nach Ist-Stand muss im Zweifelsfall die Einführung eines neuen Systems geprüft/angestoßen werden. Folgende Punkte müssen mindestens IT-seitig berücksichtigt werden:

  • Wie werden die Abrufe getätigt?
    • Die Abrufe können auf Seiten der Werker am Band geschehen (z.B. Kanban-Knopf) oder durch den Logistiker, der Abrufe auslöst (z.B. Scannung oder Kanban-Knopf). Alternativ können auch klassische Kanban-Karten genutzt werden, um die Meldebestände zu synchronisieren – hierfür sind am Verbrauchsort keine weiteren systemischen Voraussetzungen zu schaffen.
    • Zudem sollte überprüft werden, ob es organisatorisch möglich ist, die Abrufe über den Tag zu glätten um Spitzen um Pausen bzw. Schichtwechseln zu vermeiden.
  • Das Erstellen einer Bedarfsorte-Tabelle je Route (Reihenfolge beachten). Diese Tabelle ist die Basis für die automatisierte Zusammenstellung der Routen
  • Vorlaufzeiten (von Bestellung bis Bereitstellung) müssen definiert/ermittelt werden
  • Sonderprozesse/-Bereitstellungen müssen ermöglicht werden, um Stillstände in der Produktion zu vermeiden.
    • „Elit-Auslagerungen“ am normalen Prozess vorbei, um einzelne, kritische Ladungsträger bereitzustellen

Alternative zum Routenzug

Doch was passiert, wenn sich bei der Planung herausstellt, dass Routenzüge für das Unternehmen nicht geeignet sind? – Welche Alternativen gibt es?

Horizontal Picker mit KLT-Gestell sind ebenfalls eine Option. Sie bestehen lediglich aus einem Gestell und haben keine Anhänger – der benötigte Platzbedarf (bspw. Wendekreis) ist daher geringer. Dadurch haben sie zwar eine geringere Kapazität gegenüber eines klassischen Routenzugs, allerdings muss hieraus nicht zwingend ein Nachteil entstehen.

Neben der generellen Kapazität muss auch die durchschnittliche Auslastung des Routenzugs berücksichtigt werden. Bei einem Horizontal Picker ist die Kapazität zwar geringer, wenn aber die tatsächliche Auslastung die Kapazität matcht, ist dies ebenfalls eine gute nutzbare Alternative.

Allerdings können Schwankungen in den Behälter-Abrufen ggf. schwieriger ausgeglichen werden, da das Gestell bereits voll ist.

Durch die Art des Systems muss der Mitarbeiter beim Behälter-Wechsel nicht mehr vom Flurfahrzeug absteigen und kann so die Wege vom Fahrstand zum KLT-Gestell sparen. Hieraus ergeben sich erhebliche Prozessvorteile, sodass erfahrungsgemäß auch über Horizontal Picker die benötigten Leistungen erbracht werden können – wobei hier nicht unbedingt mehr Personal benötigt wird.

Dieses System kann auch als Alternative zu bestehenden Routenzügen eingesetzt werden, wenn Analysen ergeben, dass die Auslastung der RZ nicht optimal ist.

Bei der Betrachtung der Optionen muss also immer verglichen werden, welche Lösung für das Unternehmen am besten passt.

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„Bei der Betrachtung der Optionen muss also immer verglichen werden, welche Lösung für das Unternehmen am besten passt.”

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Beratung und Realisierung

Es wird also deutlich, dass durch die Implementierung eines Routenzugs einige Vorteile geschaffen werden, die Planung allerdings mit vielen Aspekten zusammenhängt, die beachtet werden müssen. 

Sie haben Routenzüge bereits in Ihre Intralogistik-Prozesse eingebunden? Unsere geschulten Logistikberater unterstützen Sie dabei, die Transportmittel effizient einzusetzen und Ihre Potenziale vollständig auszunutzen. 

Denken auch Sie, dass Routenzüge für Ihr Unternehmen interessant sein könnten? 

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