Automatisierte Kommissionierung

Viele Milliarden Artikel werden tagtäglich bestellt. Von der privaten Nutzerin, die in einem großen Onlineshop eine neue Kleidungsbestellung aufgibt, über die Apotheke an der Ecke, die jeden Tag neue Medikamente bestellt und geliefert bekommt, bis hin zur großen Supermarktkette, die dauerhaft mit neuen Lebensmitteln beliefert werden muss. Hinter jeder dieser Szenarien steckt ein aufwändiger Logistikaufwand. Besonders die Kommissionierung der bestellten Produkte steht dabei im Vordergrund. Lesen Sie in diesem Artikel warum eine automatische Kommissionierung mit hohen Anforderungen verbunden ist und wie Sie diese in Ihrem Unternehmen trotzdem durchführen können.

Die klassische Kommissionierung

Unter dem Begriff Kommissionierung versteht man den Vorgang der Zusammenstellung von Artikeln oder Gütern nach vorgegebenen Kunden oder Produktionsaufträgen aus einem Gesamtsortiment. Klassischerweise führt ein Kommissionierer, also ein Mitarbeiter im Unternehmen, diese Aufgabe durch. Insbesondere im Feld der Logistik von Online-Shops spielt Kommissionierung eine große Rolle. Für den Versand von Ware muss die richtige Anzahl an Artikeln im richtigen Paket landen. Und das am besten sofort und schnell, damit der Kunde einen bestmöglichen Service geboten bekommt. Fehler dürfen nicht passieren. Die Kommissionierung gehört also zu den personalintensivsten und fehleranfälligsten Prozessen in einem Lager. Hinzu kommt der Druck auf das Unternehmen sich vor niedrigen Lohnkosten anderer Länder schützen zu müssen. Daher besteht ein starker Anreiz diese Kosten durch Automatisierung zu reduzieren und auf diese Weise die Kommissionierung gegebenenfalls zeitlich unbeschränkt arbeiten zu lassen.  Die Automatisierung von Kommissioniersystemen war und ist bis heute allerdings kompliziert. Warum ist das so?

Kommissionierung in einem Lager

Gründe für die Komplexität automatischer Kommissionierung

In der Umstellung von einer manuellen auf eine automatische Kommissionierung ergeben sich viele Herausforderungen, die gemeistert werden müssen. Neben planerischen sind dies unter anderem auch wirtschaftliche Barrieren. Erstere betrachten wir nun zuerst.

Die Flexibilität der Kommissionierung in einem Unternehmen ist ein unabdingbarer Bestandteil. Übernehmen Mitarbeiter die Kommissionierarbeiten in einem Unternehmen, so sind diese flexibel einsetzbar. Je nach Notwendigkeit können mehr oder weniger Kommissionierer eingesetzt werden und auf Bedarfsschwankungen, beispielsweise saisonbedingt, kann sofort und dynamisch reagiert werden. In einer erfolgreichen Automatisierung der Kommissionierung muss eine solche Flexibilität natürlich ebenfalls gegeben sein. Auch der hohe Planungsaufwand von automatischen Systemen im Allgemeinen stellt eine Herausforderung dar. Zudem müssen aufgrund des Planungshorizonts solide Zukunftsprognosen aufgestellt werden können. 

Außerdem erfordert die Automatisierung eine entsprechende Einbindung in das Materialflusssystem. Eine umfangreiche Umstrukturierung bestehender Prozesse ist damit unumgänglich und erzeugt einen großen Aufwand und Kosten. Neben den planerischen Herausforderungen in der Kommissionerarbeit selber, entstehen mit einer Automatisierung auch neue Anforderungen an die zu kommissionierenden Produkte und Artikel. 

© SSI Schäfer

So muss zunächst die Beschaffenheit sämtlicher Artikel genau betrachtet werden. Die technische Machbarkeit einer automatischen Kommissionierung scheitert in den meisten Fällen bereits an der Nachahmung des menschlichen Greifverhaltens. Das Problem erscheint zunächst simpel, beinhaltet bei genauerer Betrachtung jedoch große Herausforderungen. Wenn Menschen ein einzelnes Teil aus einem Behälter greifen, erkennen sie instinktiv mit welcher Fingerausrichtung, Griffposition, Griffstärke und anderen Faktoren ein Teil in seiner individuellen Lage zu greifen und anschließend abgelegt werden muss. Eine wirtschaftlich tragbare Lösung bietet die Automatisierungstechnik hierfür noch nicht. Neben der Nachahmung des Greifverhalten steht auch die Sensorik vor Herausforderungen.  Jeder Artikel muss in jeder Lage identifizierbar sein und einzeln erkannt werden können um daraus schließen zu können, wie ein Teil gegriffen werden kann. Unter anderem muss außerdem die Griffstärke für jeden Artikel definiert und angepasst werden. So müssen sämtliche  Artikelstammdaten des Artikelspektrums lückenlos und sehr detailliert definiert sein.

Aber auch im betriebswirtschaftlichen Bereich steht eine Automatisierung vor Herausforderungen. Neben den Investitionskosten die sich gegenüber den eingesparten Personalkosten erst einmal amortisieren müssen, ruft die Automatisierung stets den Widerstand von Betriebsräten hervor.

Aufgrund dieser Herausforderungen sind vollautomatische Kommissioniersysteme sehr selten umgesetzt worden. Eine Ausnahme bilden hier die Kommissioniersysteme im Bereich der Pharmaindustrie.

Pharmaindustrie als Ausnahme

Gründe für das Alleinstellungsmerkmal der Pharmaindustrie im Bereich der automatisierten Kommissionierung sind insbesondere die kleinen Artikel, die bezüglich ihrer Maße nahezu identisch sind, die hochwertigen Produkte, hohe Sicherheitsanforderungen sowie branchenbedingte Hygiene- und Umgebungsanforderungen.

Bereits früh hat sich in der Pharmaindustrie und in anderen Branchen, in denen kleine und normierte Artikel kommissioniert werden (z.B. Zigaretten, CDs) der Schachtkommissionierer als automatische Kommissioniervariante durchgesetzt und wird dort bis heute noch eingesetzt. Dieser kommissioniert automatisch und benötigt menschliche Hilfe nur in manchen Fällen in der Bestückung. Die Artikel werden im richtigen Augenblick auf das Band zwischen den Schächten geworfen, sodass Artikel eines Auftrags nah beieinander und mit einem entsprechenden Abstand zu den anderen Kommissionieraufträgen liegen. Von dem Band zwischen den Schächten fällt der gesammelte Kommissionierauftrag in einen, auf dem Hauptband bereitstehenden, Kommissionierbehälter.

Schachtkommissionerer
Schachtkommissionieranlagen Schachtkommissionieranlage A-Frame Quelle: ten Hompel A-Form V-Form Folie 17 Gestaltungsvarianten Schachtkommissionieranlage Quelle: ten Hompel

Auch in Zukunft wird die Pharmaindustrie in der Entwicklung von Kommissioniersystemen ihre Vorreiterrolle voraussichtlich nicht abgeben. Die hochwertigen Produkte und strengen Sicherheitsvorgaben der Branche sind nur zwei Anreize dafür, dass dort die weiterführende Automatisierung und Digitalisierung vorangetrieben wird.

Und außerhalb der Pharmaindustrie?

In der großen Mehrheit der Branchen, in denen die Kommissionierung nicht vollautomatisch stattfinden kann, wird eher versucht einzelne Bestandteile der Kommissionierung zu automatisieren. Ein wichtiges Beispiel hierfür sind Ware-zu-Person-Systeme, in denen die zu kommissionierende Ware zum statischen Kommissionierarbeitsplatz gefördert wird. Der Weganteil der Kommissionierung wird automatisiert. Hier kommen neben Fördertechnikanbindungen ans Lager beispielsweise sogenannte Fahrerlose Transportsysteme (FTS) zum Einsatz. Besonders nahezu identisch anfallende Transportwege und -abläufe bieten die besten Voraussetzungen für eine Automatisierung. Dabei kann ein FTS sowohl lagerintern, als auch im Außenbereich eingesetzt werden. Auch Mischtransporte sind typische Situationen, in denen ein FTS eingesetzt werden kann.

Weitere Informationen zum FTS und zu Ihren Möglichkeiten finden Sie hier.

Neben solchen größeren Automatisierungsmaßnahmen, die das gesamte Kommissioniersystem bestimmen, können Teilautomatisierungen auch in kleineren Systemteilen umgesetzt werden, ohne das bestehende Gesamtsystem neu aufzusetzen.

Beispiele hierfür sind…

  • … die Implementierung von Lichtsignalanlagen, um dem Kommissionierer Auftragspositionen intuitiv anzuzeigen (Pick-by-Light, Pick-to-Light etc.).
  • … eine automatisierte Bereitstellung von Leerbehältern, Lieferdokumenten und sonstigen Betriebsmitteln,
  • … die Unterstützung des Scanvorgangs.
  • … die Implementierung von Fördertechnik um Wegzeiten zu reduzieren.

Es zeigt sich also, dass eine Automatisierung der Kommissionierung in bestimmten Branchen bereits deutlich vorangeschritten und Teil des Alltags ist. Dennoch wird in den meisten Branchen immer noch eher auf eine Teilautomatisierung gesetzt. Wie Sie eine (Teil-)Automatisierung vornehmen können und welche Vorteile sich dadurch für Ihr Unternehmen ergeben können, zeigen Ihnen unsere Mitarbeiter gerne auf! Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und lassen Sie sich beraten!

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