#9 Einsatz von Datenbrillen in Service und Wartung

Datenbrillen bieten für Service und Wartung große Potenziale. Lesen Sie hier, was heute schon möglich ist und welche Optionen es in Zukunft geben wird.

Samstag, 17:15 Uhr in einem beliebigen 2-Personen-Haushalt am Rande einer deutschen Großstadt: Nachdem die langen, unscheinbaren Pakete eines schwedischen Möbelherstellers mühsam in den Kombi gepuzzelt, ausgeladen und in den 3. Stock eines Mehrfamilienhauses geschleppt wurden, erwartet die stolzen Besitzer eines neuen Kleiderschrankes die nächste Herausforderung: der Aufbau der Schrankwand. Hier zeigt sich, dass selbst vier Hände oftmals nicht ausreichen, wenn es darum geht, Bauteile, Werkzeuge und die Anleitung gleichzeitig zu jonglieren. Hinzu kommt das Umdenken, wenn sich Anleitung und Bauteile aus unterschiedlichen Perspektiven präsentieren. Was für den Hausgebrauch noch in weiter Zukunft zu liegen scheint, ist in Unternehmen, die beispielsweise industriell fertigen, bereits angekommen: Techniker, die Maschinen und Anlagen warten beziehungsweise reparieren, erhalten Unterstützung in Form von Datenbrillen. Denn selbst Spezialisten können hochautomatisierte Maschinen nur mit Hilfe eines Handbuches warten oder umrüsten – wobei sich hinter der Bezeichnung „Handbuch“ meist mehrere Ordner verbergen. Steht eine Maschine still, herrscht zusätzlich noch enormer Zeitdruck, denn ein Ausfall der Fertigung kann zu einem hohen wirtschaftlichen Schaden führen.

Virtual, Assisted und Augmented Reality

Bereits in den 90er Jahren gab es erste Versuche, Bediener mit Datenbrillen auszurüsten. Die Technik war jedoch sehr unhandlich und teuer. Das hat sich inzwischen geändert, denn die Technik ist mittlerweile viel ausgereifter.

Um das Potenzial für die Industrie zu verstehen, muss man zunächst die verschiedenen Datenbrillen-Typen betrachten. VR-Brillen (Virtual Reality) schirmen den Anwender komplett ab. Über zwei Monitore wird eine dreidimensionale, realistische Umgebung simuliert. Sensorik erfasst hierfür die Aktionen und Position des Nutzers, so dass er sich in der simulierten Welt bewegen kann.

Etwas näher an der echten Welt ist Assisted Reality. Prominentes Beispiel sind die Google Glasses. Hier können Inhalte wie bei einem Headup-Display eingesehen werden. Die Brille funktioniert letztlich wie ein Tablet, bei dem die Nutzer Informationen aktiv abrufen. AR, Augmented Reality, kann man sich als Weiterentwicklung der Assisted Reality vorstellen. Über die Positionsdaten des Geräts und dem Bild der eingebauten Kamera erzeugt die Datenbrille ein Abbild der Umgebung. Die reale Welt wird hierfür von der Technik eigenständig erfasst und deren Abbild um virtuelle Anteile vermehrt.

Datenbrillen in der Logistik – Wir beraten Sie über Einsatzmöglichkeiten

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brillen in der Logistik angeht. Nehmen Sie gerne Kontakt auf.

Datenbrillen im Einsatz

Für produzierende Unternehmen ist es unumgänglich, dass jederzeit eine hohe Anlagenverfügbarkeit gegeben ist. Geplante Stillstände für Umrüst- und Wartungsarbeiten, vor allem aber ungeplante Unterbrechungen sind kostspielig. Kann man die Prozesse durch intelligente Systeme erleichtern, spart dies bares Geld und verbessert zugleich die Arbeitsbedingungen.

Datenbrillen, die über die Augmented Reality Technologie verfügen, sollen dabei weitaus mehr sein als ein eingescanntes Handbuch. So ist es möglich, Servicetechnikern bei der Einrichtung alle Informationen zu einer Maschine zur Verfügung zu stellen, ebenso die Historie einer Anlage bezüglich zuvor durchgeführter Wartungen oder behobene Störungen. Mit der Datenbrille hat der Techniker eine Projektionsfläche vor Augen, auf die die Informationen wie Bilder, Videos, Ton- oder Textdokumente projiziert werden. Diese Einblendungen überlagern und ergänzen das reale Bild beziehungsweise die Ansicht der zu wartenden oder zu reparierenden Maschine. Dies erleichtert nicht nur die Arbeit des Technikers, sonders minimiert ebenfalls mögliches Fehlerpotenzial. Benötigt der Techniker dennoch die Hilfe eines Experten, kann er diese per Sprachbefehl anfordern. Der hinzugezogene Experte sieht dann über die eingebaute Kamera der Datenbrille genau das, was der Techniker vor Ort auch sieht und kann diesen bestmöglich unterstützen. Der Clou: Der unterstützende Experte benötigt kein teures Endgerät, sondern kann mit seinem Smartphone oder PC Hilfestellung geben. Dabei ist es ihm sogar möglich, von seinem Standort aus im Sichtfeld des Technikers Markierungen oder Zeichnungen vorzunehmen, denn so wird eine exakte Abstimmung und genauestes Arbeiten gewährleistet. Dabei ist außerdem nicht zu vergessen, dass ein Experte dank mobiler Erreichbarkeit innerhalb von Minuten kontaktiert werden kann – der Arbeitsauftrag kann also meist ohne größere Verzögerungen (wie die Wartezeit auf Unterstützung) zeitnah abgeschlossen werden. Dies minimiert nicht nur die Arbeitszeit und damit die Kosten für die Reparatur beziehungsweise Wartung, sondern reduziert auch die Ausfallzeit einer Anlage drastisch. Ein weiterer Vorteil ist zudem, dass die Datenbrille dem Nutzer die Hände für die eigentliche Arbeit freihält. Gesteuert wird durch die Blickrichtung, die Stimme und falls notwendig, durch Gesten.

Datenbrille in Service und Wartung

Den Soll- mit dem Ist-Zustand vergleichen? Dank Datenbrillen 
auch ohne Aktenberge möglich.

Diese 4 Vorteile bietet Augmented Reality für Service und Wartung

  1. Der Techniker wird anhand einer Schritt-für-Schritt-Anleitung durch den gesamten Prozess geführt. Bei Abweichungen kann eine Korrektur durch die Datenbrille erfolgen. Insgesamt wird die Fehleranfälligkeit bei Arbeiten an Maschinenanlagen reduziert.
  2. Bei komplexen Systemen kann der Techniker einen Spezialisten hinzuziehen. Die Augmented Reality Technologie macht es möglich, dass dieser genau jenes Bild vor sich hat, das der Techniker vor Ort auch sieht.
  3. Die Datenbrille macht auch jene Teile einer Maschine sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen bleibt. So wird es ersichtlich, wo sich Bauteile befinden, die eine Fehlerquelle darstellen können. Demontagearbeiten, nur um verborgene Komponenten prüfen zu können, werden überflüssig, was zu einer großen Zeitersparnis führt.
  4. Weil Augmented Reality die Durchführung von Service- und Wartungsarbeiten insgesamt vereinfacht, können bestimmte Bereiche an Kunden oder Partnerunternehmen ausgelagert werden. Bei Problemen können Experten „remote“ hinzugezogen werden. Dies reduziert nicht nur den Wartungsaufwand, sondern auch die Stehzeiten von Anlagen und Maschinen.

Verbreitung von Datenbrillen noch ausbaufähig

Die Möglichkeiten von Augmented Reality klingen vielversprechend – und tatsächlich ist sie bereits in einigen großen Unternehmen erfolgreich im Einsatz. Derzeit gibt es aber auch noch Hürden zu überwinden, die eine weite Verbreitung in der Industrie hemmen: – Das Angebot an Datenbrillen ist noch recht überschaubar und die einzelnen Geräte daher vergleichsweise teuer. – Damit die Daten von Datenbrillen visuell dargestellt werden können, müssen sie zunächst aufbereitet werden. – Aktuell sind Datenbrillen noch zu schwer und unbequem, um einen gesamten Arbeitstag getragen zu werden. Auch die Darstellungsqualität der Displays ist noch recht gering.

Fazit: Entwächst die Augmented Reality den Kinderschuhen, kann sie den Bereich Service & Wartung revolutionieren

Die Technologie ermöglicht es, genau jene Informationen im Blickfeld zu haben, die gerade notwendig sind, um einen Prozess voranzutreiben. Im Service- und Wartungsbereich ist dies besonders wertvoll, weil sich der Techniker auf das Wesentliche konzentrieren kann und zudem noch die Hände frei hat, um die Schritte auch durchzuführen. Er muss nicht in gedruckten oder digitalen Dokumentationen blättern, um notwendige Informationen zu finden. Er muss nicht zum Telefon oder Handy greifen, um einen Experten um Rat zu fragen. Und er hat immer die gesamte Anlage im Bild und damit auch Komponenten, die er normalerweise erst sehen könnte, nachdem er andere Teile demontiert hat. In naher Zukunft sollen Datenbrillen sogar über notwendige Technik verfügen, um wie mit einer Röntgenbrille in die Maschine zu blicken. Was genau der Techniker zu sehen bekommt, kann er seiner jeweiligen Aufgabe anpassen. Überflüssiges bleibt verborgen, Relevantes wird hervorgehoben Die typischen Kinderkrankheiten, unter der die Technik heute noch leidet, werden wohl schon bald überwunden sein.

Sollten Sie sich also fragen, ob der Einsatz dieser Technologie für Sie von Vorteil sein kann, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren! Wir beraten Sie gerne, welche Datenbrillen Ihr Unternehmen unterstützen können, um Service- und Wartungsarbeiten schneller, fehlerfreier und effizienter gestalten zu können.

PS: Ob und wann Möbelhersteller Selbstbau-Möbeln neben dem Inbusschlüssel auch eine Datenbrille beilegen, ist noch ungewiss. Fest steht, dass eine digitale Unterstützung den Aufbau schneller und vor allem nervenschonender gestalten würde.

Sie stellen sich die Frage, wie sich das Ganze für Ihr Unternehmen nutzen lässt? Wir beraten Sie individuell – nehmen Sie gleich Kontakt auf.

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