#1 Produktionslogistik optimieren, Kundenerwartungen erfüllen

Produzierende Unternehmen haben unabhängig von ihrer Branche und ihren Produkten diese Dinge gemeinsam: Sie müssen ihre Produktionsprozesse und Logistikprozesse intensiv aufeinander abstimmen und sie darüber hinaus an den Anforderungen ihrer Kunden ausrichten. In vielen Fällen führt kein Weg an einer Optimierung der innerbetrieblichen Produktionslogistik vorbei. Welche Herausforderungen Unternehmen dabei berücksichtigen müssen und wie sie ihnen begegnen, das beantwortet der nachfolgende Artikel.

Hohe Anforderungen an die Produktionslogistik

Die Produktionslogistik wird immer komplexer. Treiber ist die hohe Erwartungshaltung beim Auftraggeber – ob Geschäftskunde, Privatperson oder eine interne Abteilung. Produzierende Unternehmen bieten ihren Kunden heute eine enorme Vielzahl an Produktvarianten, die immer weiter wächst und stellen damit hohe Anforderungen an ihre Produktionslogistik. Denn innerbetrieblich erfordert dies von den Unternehmen eine flexible und gleichzeitig fehlerfreie Gestaltung der Materialflüsse, flexible Produktionsstrukturen und Produktionsprozesse sowie effiziente und stabile Logistikstrategien und Logistikprozesse. Letztlich ist nicht nur Vielfalt, sondern auch Schnelligkeit gefragt.

Die Produktionslogistik ist ein weites Feld und wirkt in der Draufsicht vielleicht wie ein unüberschaubares Wimmelbild. Die Betrachtung ihrer einzelnen Komponenten und deren Abstimmung aufeinander, um ein Gesamtsystem im Fluss zu entwickeln, lohnt sich jedoch. In einer logistikgerechten Produktionsplanung liegen für Unternehmen enorme Optimierungspotenziale, die oftmals ungenutzt – da unentdeckt – bleiben oder als Bewertungskriterien für die Produktionslogistik als unwichtig eingestuft werden. Ob Neuplanung oder Reorganisation, die Entwicklung neuer Produktionskonzepte rückt Lean-Systeme in den Fokus, die auf die Vermeidung von Verschwendung abzielen und damit die Optimierung des Wertstroms verfolgen. Dabei gilt es, neben den Produktionsprozessen auch die erforderlichen Materialfluss- und Handlingsprozesse zu betrachten, die einen hohen Einfluss auf die Produktionsqualität, die Produktionsstabilität sowie die Durchlaufzeiten haben und somit die Effizienz der Gesamtkosten mitbestimmen.

Flexibilität in der Produktionslogistik

Eine Methode, bestehende Produktionsabläufe und die innerbetriebliche Produktionslogistik zu optimieren, bietet die Einführung eines Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP). Ziel ist die stete Optimierung in mehreren Schritten, statt der einmaligen Umsetzung großer Veränderungsmaßnahmen. Gleichzeitig reagieren Unternehmen so besser auf Entwicklungen des Marktes und sichern ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Niedrigere Bestände sind ein weiterer Baustein auf dem Weg, Verschwendung zu vermeiden und die Flexibilität der Produktionslogistik zu erhöhen. Die entsprechenden Bestandskosten spielen auch bei der Losgrößenoptimierung eine bedeutende Rolle: Die Frage nach der richtigen Menge pro Fertigungsauftrag wird zu einem Spagat zwischen der Anlagenauslastung und – im Falle einer Lagerhaltung – den Lagerbestandskosten und -risiken. Eine diesbezügliche Abwägung ist obligatorisch und muss frühzeitig in die Produktionsplanung einbezogen werden. Über die erforderlichen Berechnungen und Algorithmen wird das Optimum der Kosten ermittelt. Weiterhin können die zukünftigen Bedarfe über Prognosemodelle integriert werden, um wirtschaftliche Losgrößen zu bestimmen. Auch die Analyse sinnvoller Entkopplungspunkte führt zu einer Verringerung der Bestände bei gleichzeitiger Erhöhung der Flexibilität und reduzierten Durchlaufzeiten.


Grundgesetze der Produktionslogistik

Um die wachsende Vielfalt an Kundenwünschen wirtschaftlich bedienen zu können, besteht ein weiteres wichtiges Ziel bei der Optimierung der Produktionslogistik darin, den so genannten WIP-Bestand („Work in Process“ bzw. Umlaufbestand in der Produktion) zu reduzieren. Aus der Minimierung dieses Umlaufbestands resultiert die Fähigkeit, bei gleichem Platzbedarf mehr Artikel bereitstellen zu können und so flexibel zu arbeiten, dass mehr Varianten produziert werden und bei kurzfristigen Abrufen eine Veränderung der Produktionsreihenfolge vorgenommen werden kann. Auch eine auftragsbezogene Bereitstellung bis hin zu Sequenzen oder Sets kann wirtschaftlich sinnvoll sein. So werden Handlingsfehler und Vertauschungen im Produktions- bzw. Montageprozess vermieden.

Gestaltung der Produktionslogistik: Die passenden Versorgungsstrategien entwickeln

Bei einer steigenden Variantenzahl bis hin zur Einzelstückfertigung wird die Just-in-Time- und v.a. Just-in-Sequence-Anlieferung des Materials immer bedeutsamer für die Gestaltung der Produktionslogistik. Sie steht im Gegensatz zur Lagerhaltung. Eine zentrale Herausforderung stellt dabei die Herstellung der Prozesssicherheit dar. Die rechtzeitige Bereitstellung der Behälter in Sequenz bei erhöhter Frequenz oder sogar vorkommissioniert als Set muss ebenso garantiert sein, wie die Qualität der Bereitstellartikel und deren Genauigkeit in puncto Richtigkeit und Menge.

Bei der Betrachtung eines geeigneten Abrufverfahrens für die benötigten Materialien führt der Weg vom Push- zum Pull-Prinzip. Beim Pull-Prinzip erfolgen Produktionsabrufe über KANBAN, E-KANBAN oder automatisiert entsprechend des Arbeitsgangfortschritts. Und wie gelangt das Material in die Produktion? Stapler verfügen über einen schlechten Auslastungsgrad, die Unfallgefahr ist hoch und ihr Einsatz ist bei Kleingebinden nicht unbedingt geeignet. Die Einführung von Routenzügen zur Versorgung der Produktion sowie zukünftig der Einsatz autonomer Fahrzeuge steigert die Effizienz der innerbetrieblichen Produktionslogistik. Dabei ist zu prüfen, wie die Produktion generell versorgt wird – nach Bedarf und Auslastung oder getaktet. Generell gilt: Einfache Logistikprozesse sorgen dafür, dass die Produktion stabil versorgt wird.

Einsatz in der Produktionslogistik: Routenzug für die Montageversorgung. (Bild: BMW Group)  Einsatz in der Produktionslogistik: Fahrerlose Transportsysteme für die Montageversorgung (Bild: BMW Group)
Routenzug (li.) und Fahrerlose Transportsysteme (re.) für die Montageversorgung (Bilder (2): BMW Group)

Produktionslogistik und Automatisierung: Nutzen überprüfen

Der Einsatz automatisierter Systeme und die Einführung automatisierter Prozesse müssen wirtschaftlich sinnvoll sein. Wenn dies der Fall ist, leistet die Automatisierung einen bedeutenden Beitrag zur Effizienzsteigerung der Produktionslogistik sowie bei der Reduzierung von Fehlern. Insbesondere die Automatisierung von Standardprozessen ermöglicht eine Steigerung der Prozessqualität und verbessert folglich die Versorgungssicherheit der Produktion.

Unerlässlich wird daneben die Automatisierung des gesamten Informationsflusses und der Materialverfolgung vom Wareneingang bis in die Produktion. Nur so lässt sich der gesamte Waren- und Produktionsfluss effektiv überwachen sowie der Produktionsfortschritt transparent gestalten. Zudem lassen sich Bestände genauestens verwalten, Fehlerursachen finden und beheben. Letztlich sichert das die Qualität. Ohne geeignete Datenerhebung und -verarbeitung sind Effizienz und Prozesssicherheit nicht zu realisieren. Produktionssteuerungs- und Produktionserfassungssysteme sind dafür die Basis.

Produktionslogistik und der Faktor Mensch

Neben all den genannten Planungs- und Optimierungsmaßnahmen hinsichtlich ihrer Produktionslogistik dürfen Unternehmen den wichtigsten Faktor nicht vernachlässigen: den Faktor Mensch. Zur Entwicklung zukunftsfähiger Konzepte inklusive Null-Fehler-Strategien, stabiler Prozesse und dem Streben nach kurzen Durchlaufzeiten gehört ebenso die Beschäftigung mit den Fragen: Wie gehe ich mit meinen Mitarbeitern um? Wie motiviere ich meine Mitarbeiter? Wie schaffe ich eine Verbesserung der Arbeitsqualität und folglich der Leistung?

Eine logistikgerechte Produktionsplanung fokussiert sich stark auf die Prozessgestaltung. Produktionslogistik muss dabei stets als Gesamtsystem betrachtet werden. Layoutplanung, Bereitstellungsstrategien oder die häufig vernachlässigte Produktionsentsorgung sind allesamt Elemente, die sicher ineinandergreifen müssen, damit die Produktion nicht ins Stocken gerät und der gesamte Wertschöpfungsprozess frei von Fehlern bleibt.

Produktionslogistik: Planung eines Produktionslayouts mit gerichtetem Materialfluss.
Planung eines Produktionslayouts mit gerichtetem Materialfluss

 

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Unser Geschäftsführer Dr.-Ing. Markus Nave ist fachlicher Leiter der AWF-AG Produktionslogistik.


 

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